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Kylverstenen

Steinplatte von Kylver (ca. 400 n.Chr.)

Runen sind die Schriftzeichen aus der den Germanen eigenen Schrift.

BezeichnungBearbeiten

Das nhd. Wort Rune ist – wie aus dem Fehlen der neuhochdeutschen Diphthongierung hervorgeht (bei einer direkten Fortsetzung des Wortes wäre nhd. **Raune zu erwarten gewesen; vgl. etwa die ererbten Wörter Geraune und raunen) – kein Erbwort, sondern stellt eine gelehrte Entlehnung aus der 2. Hälfte des 17. Jh.s aus dänisch rune ‚Buchstabe im alten Alphabet der Germanen‘ dar (vgl. auch schwed. runa ‚ds.‘, norw.dial. runa ‚altes Formular‘). In den Runeninschriften bis zur Brakteatenzeit ist das Wort ‚Rune‘ nur einmal auf dem Stein von Einang (ca. 350-400) als akk.sg. runo belegt. In späteren Runeninschriften findet sich das Wort häufiger: akk.sg. runa (Stein von Noleby, ca. 450/600; Spange von Eikeland, ca. 450 / Bügelfibel von Freilaubersheim, ca. 575 n.Chr.]), gen.pl. runo (Stein von Stentoften, 600-650 n.Chr.; Stein von Björketorp, 600-650 n.Chr.), akk.pl. runa (Bügelfibel von Freilaubersheim, ca. 575), runoz (Stein von Stentoften, 600-650), runAz (Stein von Björketorp, 600-650 n.Chr.), ronoz (Stein von Järsberg, ca. 450 n.Chr.; Brakteat von Tjurkö 1, ca. 500 n.Chr.; Stein von Istaby, 600-650 n.Chr), dat.sg. ronu (Stein von Björketorp, ca. 600-650 n.Chr.). Außerhalb der Runeninschriften findet sich das Wort latinisiert in einem Gedicht von Venantius Fortunatus (carm. 7,18,19-20; Ende des 6. Jh.s): barbara fraxineis pingantur rhuna tabellis: quodque papyrus agit, virgula plana valet ‚schreib die barbarischen Runen getrost auf eschene Tafeln: was der Papyrus vermag, tut der geglättete Zweig‘. Im Nordgerm. setzt sich das Wort in dieser Bedeutung als aisl. (pl.) rúnar fort, im Westgerm. als ae. rūn ‚(runisches) Schriftzeichen‘.

EtymologieBearbeiten

Die Etymologie des Wortes Rune ist umstritten. Es konkurrieren zwei Vorschläge miteinander:

  • Verbindung mit: got. runa ‚μυστήριον, βουλή, συμβούλιον, Geheimnis, Beschluss, Beratschlagung’ (in der Bedeutung ‚Beratschlagung’ nur einmal (Mt. 27,1 im Codex Argenteus), ahd., as. rūna ‚Raunen, Geheimnis, Geflüster’, mndl. rune ‚Geflüster’, ae. rūn ‚Geheimnis, Rat, Beratung’, aisl. (pl.) rúnar ‚Geheimnis’. Außerhalb des Germ. finden sich nur noch in den Keltischen Sprachen Entsprechungen: air. rún, kymr. rhin ‚Geheimnis’. Das genaue Verhältnis der Wörter in den beiden Sprachzweigen zueinander ist unklar. Diese Etymologie gilt als ein wichtiger Hinweis auf die magische Natur der Runen.
  • Annahme zweier homonymen Wurzel urgerm. *rūn-. Von diesen ergab *rūn-1 die Sippe um got. runa (s.o.), *rūn-2 dagegen das Wort ‚Rune’. Letztere hätte innerhalb des Germanischen als Verwandte mndd. rune ‚verschnittenes Pferd’, mndl. ruun, ruyn, rūne, nndl. ruin ‚verschnittenes Pferd’, mndl. rūnen, ruynen, nndl. ruinen ‚beschneiden, kastrieren’, nfries. rún ‚verschnittenes Pferd’, nfries. runje ‚beschneiden, kastrieren’, nschw. runa ‚Eintiefung, Furche, Rille’. Es würde sich dabei um eine Erweiterung mit *-n- von der Verbalwurzel uridg. *(H)reu̯H- ‚reißen, graben’ handeln. Zur Semantik wäre lit. ruobti ‚ritzen, kerben von Buchstaben’ zu vergleichen. Urgerm. *rūn-2 wäre somit als ‚die Einritzung’ zu deuten, so dass die Bezeichnung einer Technik vorläge, die zusammen mit ihr im Süden ausstarb, im Norden dagegen weiterlebte und von dort im 17.Jh. wieder entlehnt wurde.

VerbreitungBearbeiten

Insgesamt sind momentan etwa 6900 mit Runen beschriftete Denkmäler bekannt, von denen auf Schweden ca. 4000, auf Norwegen ca. 1600, auf Dänemark ca. 850, auf Deutschland ca. 80, auf England ca. 90, auf die Niederlande ca. 25, auf Island ca. 100, auf Grönland über 100, auf die Orkneys ca. 50, auf die Färöer ca. 10 und auf Irland ca. 20 Inschriften entfallen. Die Zahlenangaben weichen in der Literatur leicht voneinander ab. Zeitlich reichen die Runeninschriften vom 2. Jh. (Runenfunde im Moor am Illerup-Flussmund; nicht berücksichtigt sind hier die Inschrift auf der Fibel von Meldorf und die Tonscherbe von Osterrönfeld, da der runishce Charakter der Zeichen umstritten ist) bis zum 19. Jh. (Runeninschriften in der Landschaft Dalarna in Mittelschweden, die jedoch einer gelehrten Tradition entstammen und nicht als volkstümlich zu betrachten sind). Im skandinavischen Raum waren die Runen noch bis ins 15. Jh. hinein in lebendigem Gebrauch. Die räumlichen Grenzen der Funde sind die Folgenden: im Norden ein kleiner Stein auf der Insel Kingigtorssuaq vor der grönländischen Westküste unter dem 73. Breitengrad und ein Halsschmuck von Senja in der Nähe von Tromsø etwas über dem 69. Breitengrad; im Süden durch den Marmorlöwen von Piräus, knapp unter dem 38. Breitengrad; im Westen durch die Runendenkmäler der Britischen Inseln etwa sechs Grad westlicher Länge; im Osten durch den Holzstab von Alt-Ladoga und ein Gedenkstein auf der Insel Berezań in der Dnjeprmündung etwa 32 Grad östlicher Länge. Räumlich erstrecken sich Runeninschriften Grönland im Nordwesten bis Rusland im Osten und Piräus im Süden.

WeblinksBearbeiten

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